Der berechenbare
Mensch

Big Data und das Individuum

Wir leben heute in einem modernen Informationszeitalter, das auch als: The Rising Age Of Big Data, The New Technology Movement, bezeichnet werden kann. Umbrüche hat es schon immer in der Menschheitsgeschichte gegeben, aber kein anderer hat so viele neue Einblicke in die sozialen Strukturen unserer Zeit ermöglicht.

Dieser Wandel betrifft uns alle und sein Einfluss auf uns, reicht bereits weit über die wohlhabenden Industrienationen hinaus. Technologie wird immer leistungsfähiger und auch immer preiswerter. Ihre rasante Entwicklung kann man an einem exponentiell ansteigenden Graphen ablesen, der sich zum Beispiel auch auf die steigende CO₂ — Emission und sogar auf das menschliche Populationswachstum bezieht. In der technologischen Entwicklung spricht man dabei explizit vom Mooreschen Gesetz. Dieses besagt, dass die Computerkapazität sich alle 18 Monate verdoppelt (Tendenz der Geschwindigkeit sinkend). Eine Kapazitätsgrenze ist nicht in Sicht. In Bezug auf das reale Leben zeigt es an, wie sich unsere technologische Zukunft gestalten wird und wie eine gewaltige Informationsflut, Big Data, unser tägliches Leben bis in seine Grundzüge verändern wird und dies bereits tut. Doch was ist Big Data?

Am einfachsten lässt sich dieser Begriff anhand eines Vergleiches erläutern, in dem Big Data eine riesige Maschine symbolisiert, die auf einem weiten Sandstrand steht. Jedes Sandkorn ist dabei ein Individuum und jene Maschine besitzt drei Hauptfunktionen: Erstens ist sie in der Lage, den gesamten Strand zu überblicken und den Sand in seiner Gesamtheit präzise zu erfassen. Zweitens kann sie jedes einzelne Sandkorn auf dem Strand extrahieren, genauestens analysieren und ebenso genaue Aussagen über die Lage des Sandkorns in Bezug zu seinem Nachbarn tätigen. Drittens erkennt sie verborgene Interaktionen zwischen den einzelnen Sandkörnern und kann mit hoher Wahrscheinlichkeit vorauszusagen, wohin genau der nächste Windstoß eines der Sandkörner treiben wird. Big Data macht damit den Status quo irrelevant.

Firmen wie Blue Yonder und Oracle haben es sich beispielsweise zur Aufgabe gemacht, mit Hilfe eines Algorithmus, die nahe Zukunft vorherzusagen, die sich aus der Analyse großer Datenmengen generiert.

Wie soll sich aber das Individuum in einer Welt, die immer mehr durch solche Algorithmen bestimmt wird, zurechtfinden? Wie sollen wir uns auf eine Umwelt einstellen, die in uns größtenteils berechenbare Datenproduzenten sieht? Bislang gibt es keine genauen Vorhersagen, wie sich dieser Wandel genau gestalten wird, allerdings sind die Anfänge schon aktuell sichtbar. So gut wie jeder trägt heute beispielsweise sein Smartphone zu jeder Zeit bei sich, produziert unablässig neue Daten und ist immer mehr mit der Welt vernetzt.

Eine durchschnittliche Person produziert heute mehr Daten an einem einzigen Tag, als eine Person im 15. Jahrhundert in ihrem gesamten Leben. Jeder von uns hinterlässt einen Pfad aus Daten, Telefonaufzeichnungen, Texten, Browser-Geschichten, GPS-Daten und andere Informationen. Algorithmen und mathematische Gesetze mögen zu einem Großteil unser Leben bestimmen, am Ende sind aber wir es, die die Datenvielfalt produzieren. So ist es die menschliche Seite von Big Data, die den Daten ihr Gesicht gibt. Wir haben bereits gezeigt, dass wir uns einer Welt des Informationsüberflusses, anpassen können. Nicht nur das, wir haben die Technologie, um diese Flut zu generieren, begeistert aufgegriffen und benutzen sie, um unsere globalen sozialen Strukturen immer weiter auszubauen. Algorithmen mögen schon heute unseren Alltag, unsere Kaufentscheidungen und unseren Musikgeschmack beeinflussen, der Mensch mag berechenbarer erscheinen, aber zuletzt, bleibt alles immer noch Spekulation — und mathematische Annäherungsversuche.

Wir bleiben unser eigener Status quo.

 

© 2021 Sina Winzler

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