Nutzer und Technologie

“Jede hinreichend fortgeschrittene Technologie
ist von Magie nicht zu unterscheiden.”

So lautet das dritte Clarkesche Gesetz des britischen Physikers und Science-Fiction- Schriftstelles Arthur C. Clarke. In seinen Romanen, die zum Genre der Fantastischen Literatur gehören, beschreibt Clarke eine ferne Zukunft voll hochentwickelter Technologien, die zeitlich nicht fassbar ist, weil Clarke sich nicht Anhaltspunkte aus aktuellen Trends in Forschung und Wissenschaft holte, oder erklärte, wie seine Welten ingenieurwissenschaftlich funktionieren. Seine Werke haben auch bei unserem modernen Stand der Technik nichts von ihrer Magie eingebüßt.

Finden wir diese auch losgelöst von der Literatur in unserer heutigen Technologie wieder? Die Antwort lautet Ja. Für den Nutzer technologischer Geräte steht die Technik in den allermeisten Fällen im Hintergrund des Interesses. Ohne spezifisches Fachwissen, versteht kaum einer, wie es möglich ist in Echtzeit Nachrichten auf die andere Seite der Erde zu senden, weshalb sich ein Passagierflugzeug mit bis zu mehreren hundert Tonnen Gewicht (Das größte Passagierflugzeug der Menschheitsgeschichte, der Airbus A380-800, wiegt maximal 562 Tonnen — Das entspricht ungefähr fünf Blauwalen oder 125 Elefanten) in einer Höhe von 8 — 13 Kilometern in der Luft halten kann oder wie das Internet funktioniert. Die Zaubersprüche sind unsere Algorithmen, der Magier — Ingenieure, Programmierer, Designer.

Das heißt praktisch ausgedrückt, dass Technologie einfach, wie von Zauberhand, funktionieren muss, um für den Nutzer das bestmögliche User Experience zu gewährleisten. Dabei sind Produktmacher allerdings auch gleichzeitig Nutzer — von der Türklinke bis zur verwendeten Software. Jedes Individuum, das jemals zur Gattung Homo sapiens gehörte, war oder ist, ein Nutzer (von Technologie). Die ersten primitiven Werkzeuge, der Buchdruck, das Smartphone: Nutzer und technologische Errungenschaften leben in einer stimmigen Symbiose zusammen, ergänzen sich.

 
 
 
 

Es ist grundsätzlich so, dass sich Technologie, bei welcher die Technik in den Hintergrund getreten ist, sich besser am Markt behauptet. Geräte, bei denen der Nutzer über ein Interface, auch Schnittstelle genannt, kommuniziert und von der eigentlichen Technik bestmöglich gar nichts mitbekommt. Dies gilt ganz besonders für mechanische und elektronische Geräte. Eine mit Zahnrädern betriebene Armbanduhr muss die Zeit korrekt anzeigen, das Ziffernblatt fungiert an dieser Stelle als Interface und ein Computer muss die Inhalte richtig kommunizieren und darstellen, wobei der Bildschirm hier das benannte Interface ist, oder ebenfalls Internetseiten wie Amazon, Facebook, Flickr und Google. Von der laufenden Technik dahinter, bekommt der Nutzer kaum, oder gar nichts mit.

Ein Beispiel von Technologie, bei welcher der Nutzer zu nah an der Technik dahinter agiert, ist der Windows PC (Microsoft). Natürlich lässt sich nicht behaupten, dass Windows sich nicht durchgesetzt hat, aber bei diesem hat der Nutzer die Freiheit, tief in das Betriebssystem eingreifen zu können und unter Umständen, der Unerfahrenheit geschuldet, den gesamten Computer mit dem Löschen oder Umstellen der falschen Datei lahmzulegen (zum Beispiel über die Systemsteuerung oder im BIOS). Dies ist beim Mac zwar grundsätzlich auch möglich, aber es ist wesentlich umständlicher und versteckter. Das Ergebnis ist, dass sich Produkte von Apple immer mehr durchsetzen.

Nutzer und Technologie kommunizieren über Interfaces, die sich wie ein Schild schützend zwischen Technik und Nutzer stellen. Sie sind für Menschen der Zugang zu Daten. Der Autor Robert Hoekman Jr. schreibt in einem seiner Bücher, dass Interfaces nichts anderes sind als Türen. Der Schlüssel zur Magie, gutes User Experience, heißt also, technologische Geräte so klar, einfach, simpel und verständlich zu gestalten, dass Menschen zu ihren Daten kommen können, als ob sie nur einen Türgriff nach unten drücken müssten.

 

© 2021 Sina Winzler

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