Produktmacher und Technologie

Produktmacher und Ingenieure als Wegbereiter von Innovation

Was unterscheidet einen Visionär von einem Fachmann? Einen Produktmacher von einem Ingenieur? Wer stellt die Weichen der Zukunft, leitet Projekte an? Produktmacher und Ingenieure haben an vielen Punkten große Überschneidungen in ihren Aufgaben und ihrem Handeln, aber sie unterscheidet oft eine sehr spezielle Wesensart im Denken. Während der Ingenieur meist in seinem Denken von seiner linken Gehirnhälfte dominiert wird, die logische und rationale Seite in uns, wird der Produktmacher meist von seiner rechten Gehirnhälfte bestimmt, die für Kreativität und Einfallsreichtum steht.

Steve Jobs war so ein Produktmacher. Schon früh sah er vor Augen, was sich andere noch nicht einmal im Traum vorstellen konnten; ein Gerät mit dem man das Internet berühren konnte, während die Mehrheit der Menschen fasziniert vor ihren Röhrenbildschirmen saß.

Jobs war einer der größten Visionäre der Computergeschichte bis zu seinem frühen Tod mit 56 Jahren im Jahre 2011. Es ist höchst beeindruckend, mit welcher fast hellseherischen Treffsicherheit er über Jahrzehnte Paradigmenwechsel in der Entwicklung der Computertechnik eingeleitet und vorangetrieben hat und vieles davon nehmen wir heute als selbstverständlich und alltäglich wahr. Steve Jobs und sein Tüftlerfreund Steve Wozniak erkannten bereits 1976 das revolutionäre Potenzial, das in der Idee vom Computer für jedermann steckte. Ihr Apple I wurde in eine Zeit hinein geboren, als man unter Computern noch raumfüllende Elektronikkästen für Unternehmen verstand. “Ich hatte Glück”, sagte Steve Jobs einmal, “ich konnte früh tun, was ich zu tun liebte”. Diese Einstellung legte wohl den Grundstein zu seinem Erfolg.

Natürlich war auch Jobs zu einem gewissen Grad Ingenieur, aber die visionäre Seite seiner Person stand immer im Vordergrund seines Charakters, machte ihn zu jemanden, der leitete, anstatt zu folgen. Wenn man sich die großen Ingenieure vergangener Zeiten betrachtet, wird einem schnell klar, dass auch bei ihnen der visionäre Teil ihres Charakters dominierte: Ferdinand Porsche, Gottlieb Wilhelm Daimler, Rudolf Diesel, Hugo Junkers, Ferdinand von Zeppelin und sogar noch frühere Genies wie Leonardo Da Vinci — sie alle waren Ingenieure und Visionäre. Im Grunde ist kein Ingenieur wirklich bekannt geworden, welcher nicht gleichzeitig auch, oder vor allem, Produktmacher und Visionär zugleich war. Das zeigt uns die Gemeinsamkeiten beider Berufssparten auf, ihre Überschneidungen.

Zum Glück ist es in unserer Welt nicht mehr gänzlich nötig, beide Berufsgruppen in einander zu vereinen um erfolgreich zu sein, wie es im Allgemeinen in der Zeit vor dem Firmenwesen der Fall gewesen wäre (auch wenn es durchaus von Vorteil sein kann), denn heute sucht man sich in der Regel Partner, die einen ergänzen und die Charaktereigenschaften und Fähigkeiten mitbringen, welche man selbst nicht, oder nur im Ansatz besitzt, um Projekte zu realisieren. Unser weltweites digitales Netzwerk fördert diesen Trend und bringt Menschen zusammen, die sich sonst niemals begegnet wären. Dadurch entsteht eine ganz neue Art von Innovation.

Der Ingenieur braucht den weitsichtigen Produktmacher, wie dieser den fachkundigen Spezialisten benötigt, um seine Ideen umsetzen oder ihn auf den Boden des Realisierbaren zurück zu holen. Er zeigt dem Produktmacher die Schwächen seines Projektes auf, noch bevor es überhaupt an die Umsetzung eines Prototypen geht. Der Produktmacher wiederum, leitet die Vision, bringt sie voran und lässt nicht das Ziel aus den Augen. Er verleiht dem Produkt erst einen Sinn, einen stimmigen Platz im großen Kontext. Produktmacher und Ingenieur leben in einer engen Symbiose zusammen und ergänzen sich, ohne keinen der beiden, würde Innovation, oder wirklicher Fortschritt generiert werden können. Es ist ein gegenseitiges Abhängigkeitsverhältnis.

 

© 2021 Sina Winzler

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